Die Geschichte von Lotter am Marktplatz …


... hat ihre Vorgeschichte in der Körnerstraße 16. Hier hatte am 18. Juli 1810 Christoph Heinrich Lotter eine Konditorei eröffnet, die auch mit Specereiwaren handelte. Nach seinem Tod 1834 führte seine Witwe Christiane Katharine Lotter den Specereihandel notdürftig fort. Erst als 1841 auf ihr Betreiben hin ihr 18-jähriger Sohn Albert Lotter in das Geschäft eintrat, kam neuer Schwung in den Betrieb. Albert Lotter ergänzte das Sortiment um Eisen- und Haushaltwaren. Am 1. Mai 1846 übernahm der nunmehr 23-jährige das Geschäft von seiner Mutter und führte es unter seinem Namen fort. Der Aufbau des neuen Sortiments brauchte seine Zeit. Am 11. September 1850 stellte sich Albert Lotter in einer Anzeige im Ludwigsburger Tagblatt erstmals als gut sortierte Eisenhandlung vor. Die Geschäftsentwicklung eröffnete neue Möglichkeiten.

 

Deshalb erwarb er Ende 1865 das Haus Obere Marktstraße 4,
in dem einst der europaweit bekannte Gasthof „Zur goldenen Kanne“ beheimatet war. Das neu erworbene Haus baute
 Albert Lotter für seine Zwecke um. Am 28. Oktober 1866 zeigte er im Ludwigsburger Tagblatt die Verlegung des Geschäftssitzes an. Von nun an wurden im Haus Obere Marktstraße 4 Eisen- und Haushaltwaren verkauft. Bei allem Wandel der Sortimente ist es im Blick auf Haushaltwaren bis heute so geblieben. Das Haus in der Körnerstraße und die Specereihandlung verpachtete Albert Lotter an den Buchdrucker und Verleger Heinrich Theurer, der dann 1868 das Haus käuflich erwarb und dann bald die Specereihandlung aufgab.

 

Sehr lange konnte Albert Lotter sein Geschäft nicht in dem neuen Haus betreiben. Nach seinem frühen Tod 1869 führte seine Witwe Friederike Louise Lotter das Geschäft unter seinem Namen fort. 1877 übertrug sie das Ofen- und Grobeisengeschäft ihrem Sohn Wilhelm, der sich auf dem angrenzenden Grundstück in der Eberhardstraße niederließ. Das Haushalt- und Eisenwarengeschäft führte Friederike Louise Lotter bis zu ihrem Tod 1894 weiter. Ihr ältester Sohn Paul, der den Haushalt- und Eisenwarenbereich übernehmen wollte, mußte bis zu Ihrem Tod 1894 warten. Er war mit seinem Betrieb nicht erfolgreich. Durch die Ernennung zum „königlichen Hoflieferanten“ fand er die der damaligen Zeit entsprechende gesellschaftliche Anerkennung.

 

Paul Lotter starb 1918. Seine Witwe verkaufte den Betrieb an Johannes Ernst, der 10 Jahre vorher schon die Eisen- und Ofenhandlung Gebrüder Lotter in der Eberhardstraße erworben hatte. Damit waren die beiden Lotter Betriebe wieder in einer Hand vereinigt.

Die wirtschaftliche Entwicklung machte schon bald nach dem ersten Weltkrieg die Vergrößerung und die zweckmäßige Ausgestaltung der vorhandenen Räumlichkeiten
notwendig. Dem Rat seines Architekten Friedrich Haußer
folgend entschloß sich Johannes Ernst, auf die naheliegende Aufstockung des Vordergebäudes in der Oberen
Marktstraße zu verzichten und dafür den ehemaligen „Kannensaal“ zum Verkaufsraum umzugestalten. Den Verkaufsbedürfnissen folgend wurden in der Oberen Marktstraße weite und hohe Schaufenster eingebaut, die durch Steinpfeiler gegliedert wurden. Der Ludwigsburger Stadtgeschichtler Carl Belschner war von der architektonischen Lösung so beeindruckt, daß er 1923 schrieb: „Wir haben hier ein ansprechendes Beispiel für die Lösung der Aufgabe, alte ehrwürdige Schönheit mit berechtigten Forderungen der Neuzeit in Einklang zu bringen“. Im Laufe der Jahrzehnte hat das Haus und das Geschäft viele Wandlungen mitgemacht. In den 30iger Jahren wurden die Haushaltwaren durch die Bereiche Glas und Porzellan ergänzt. Im zweiten Weltkrieg blieb das Gebäude im Gegensatz zum Nachbargebäude Obere Marktstraße 2 von der Zerstörung verschont. Die Zeit nach dem Krieg war bis zur Währungsreform durch den allgemeinen Mangel gekennzeichnet. Um dem zu begegnen, wurde in den Verkaufsräumen ein Tauschring eingeführt, in dem die Kunden mitgebrachte Gegenstände gegen andere eintauschen konnten.

 

Doch dann kam der wirtschaftliche Aufschwung, oft auch als Wirtschaftswunder bezeichnet. Um die Betriebsräume den sich wandelnden Bedingungen anzupassen, wurde immer wieder umgebaut und erweitert. 1972 konnten die bisher in der Oberen Marktstraße und Eberhardstraße ansäßigen Großhandelsabteilungen in den damaligen Neubau Waldäcker umziehen, so daß das innerstädtische Anwesen des Unternehmens ganz dem Ladenverkauf von Eisenwaren, Haushaltwaren, Glas und Porzellan gewidmet werden konnte. In den Jahren 1983/84 erfolgte die völlige Neugestaltung des Anwesens; das Vordergebäude in der Oberen Markstraße blieb erhalten; die Hintergebäude und der ganze Bereich bis zur Eberhardstraße mußte einem Neubau weichen. Die Verkaufsfläche wurde auf 2600 m2 erhöht. Dazu wurden die so wichtigen Parkplätze geschaffen.

 

Doch die Märkte verändern sich. 1997 gab das Unternehmen den Eisenwarenverkauf in der Innenstadt auf. Die Haushaltwaren nahmen nun die ganze Verkaufsfläche ein. Doch die war dafür eigentlich zu groß. 2006 wurde die Haushaltabteilung wesentlich verkleinert. Der größte Teil der Erdgeschoßfläche wurde für 10 Jahre an ein Sportgeschäft vermietet, während sich Lotter selbst weitgehend auf das Obergeschoß beschränkte, doch jetzt ist die Rückverlegung in das Erdgeschoß vorgesehen. Bis Frühjahr 2017 wird dort ein neuer Anziehungspunkt geschaffen, der für alle Marktbesucher leicht erreichbar ist und der vor allem ein unvergeßliches Einkaufserlebnis bietet.